Erlebniswelt
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Achtsamkeit

Buddhistische Achtsamkeit

Unterschied Transzendentale Meditation und Achtsamkeitsmeditation

 

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Achtsamkeit bedeutet, im gegenwärtigen Moment bewusst zu verweilen, ohne zu urteilen.

Achtsamkeit bedeutet, sich an das zu erinnern, was soeben in diesem Moment stattfindet.

Achtsamkeit ist das unvoreingenommene Beobachten all dessen, was in der Aufmerksamkeit auftaucht, um es wahrzunehmen und zu erfahren, ohne es durch Gefühle oder Intellekt zu verzerren.

Zur Methode der Achtsamkeitsmeditation (aus BUCHHELD: “Achtsamkeit in Vipassana Meditation und Psychotherapie”):

    Die Essenz der Achtsamkeitsübung: Objekt der Meditation, des Gewahrseins, ist ... die Erfahrung des Momentes; seien es die Körperempfindungen, die Bewegung des Atems, die Gefühle, die Sinneswahrnehmungen, die Gedanken und Bilder unseres Geistes oder das Bewusstsein selber. Von Moment zu Moment sind wir in direktem Kontakt mit jeder Erfahrung, jeder Wahmehmung, und sehen sie wach und klar als das, was sie ist, ohne uns darin zu verlieren — ein einfaches, aber nicht leichtes Unterfangen.

    Die Vipassana-Meditation gliedert sich in „formelle" und „informelle" Praxis, die beide gleichermaßen von Bedeutung sind. Formell beinhaltet die Vipassana-Meditation Achtsamkeitsübungen in allen im Alltag auftretenden Körperpositionen (Sitzen, Gehen, Stehen, Liegen). Die Aufmerksamkeit wird auf diese Weise systematisch geschult, mit dem Ziel, dass sie auch während der alltäglichen Anforderungen, die in eben diesen Körperpositionen vollzogen werden, erhalten bleibt.

    Die grundlegende Übung ist die ,Atembetrachtung' während der Sitzmeditation. Hierbei nimmt der Meditierende Kontakt mit dem Atem auf, ohne diesen zu manipulieren oder zu kontrollieren. Dabei ist die Konzentration auf einen konkreten Angelpunkt zwischen Atem und Körperempfindung hilfreich; z. B. das Heben und Senken der Bauchdecke oder das Ein- und Ausströmen des Atems durch die Nasenlöcher.

    Der natürliche Atemvorgang als Anker der Achtsamkeit ist hierfür besonders geeignet, da er eine Verbindung zwischen Körper und Geist ist und eine lebenswichtige, kontinuierliche und neutrale Erfahrung darstellt. Abschweifende Gedanken, Gefühle oder Phantasien sollen wertfrei und neutral zur Kenntnis genommen werden und dann wieder  zum Atem zurückgekehrt werden. Die Kultivierung der Achtsamkeit besteht genau in diesem Prozess des Aufwachens aus Gedanken, des Sich-Erinnems, gegenwärtig zu sein. Tauchen bestimmte Gedanken und Gefühle immer wieder auf, können diese ebenfalls zum Objekt der Achtsamkeit gemacht werden. Bei der Vipassana-Meditation wird demnach kein Vorgang als Ablenkung bezeichnet.

    Weiterhin werden alle Erfahrungen und Wahrnehmungen gleich behandelt, indem der Prozess ihres Entstehens und Vergehens und nicht ihr spezifischer Inhalt betrachtet wird.

    Weitere Anleitungen zur Vipassana-Meditation können die Achtsamkeit auf Sinneswahrnehmungen (z. B. Hören, Sehen), Körperempfindungen, Gefühle, Gedanken und Stimmungen beinhalten.

    Die  Qualitat der Achtsamkeit liegt in ihrer Kontinuität. Dazu dienen u.a. sogenannte ,retreats', wahrend derer man sich für einen bestimmten Zeitraum den äußeren Ablenkungen des täglichen Lebens entzieht und sich mit Hilfe eines einfachen, strukturierten Tagesablaufs intensiv der Praxis widmet.

    Die Achtsamkeit im Alltag gehört der Kategorie informelle Praxis an. Hier geht es um die präzise Wahrnehmung in allen Lebenslagen. Objekt der Meditation ist dabei die Handltmg, die man gerade ausführt, welche bewusst und ohne zu „entfliehen" wahrgenommen wird.

    Das Benennen (engl. „labeling') korperlicher und geistiger Prozesse soll mühelos und intuitiv gleich einem kurzen Blitzlicht oder Schnappschuss, welcher die gegenwärtige Erfahrung beleuchtet, erfolgen. Nur ein geringfügiger Teil der Aufmerksamkeit geht dabei in das Etikettieren der Prozesse; der Grossteil bleibt bei der unmittetbaren Erfahrung. Das Benennen innerer und äußerer Reize (z.B. „angenehm", „unangenehm”, „denken”, „planen” usw.) fördert die Präsenz und verhindert das unbewusste ,Eintauchen’ in Emotionen und Kognitionen. In fortgeschrittenem Stadium der Meditation sollen auch diese Hilfsmittel wieder losgelassen werden.

    Bei der Technik des Körperdurchkehrens (engl. ,body sweeping') wandert die Achtsamkeit systematisch durch den ganzen Körper. Dabei werden die körperlichen Manifestationen unserer Gefühlsreaktionen betrachtet. Durch die methodische Entwicklung einer bewussten, gleichmütigen Wahrnehmung dieser Körperzustände und der Bedingungen ihres Entstehens und Vergehens soll das Übergehen der Empfindungen in automatische, zwanghafte Reaktionen verhindert werden. Die Technik des Körperdurchkehrens ist ein weiterer burmesischer Ansatz des Vipassana, der auf oben genannten U Ba Khin und dessen Schüler S.N. Goenka zurückzuführen ist.

    In Indien wird das Körperdurchkehren nach einer Empfehlung des Innenministeriums mittlerweile in den meisten Gefängnissen gelehrt. Mehrere Studien belegen die positive Wirkung diese Ansatzes auf Verhalten und Einstellung der Inhaftierten und zeigen Effekte wie z.B. Reduzierung des Verlangens nach Rache, Steigenmg der Selbstdisziplin mid eine harmonischere Beziehung zwischen Wächter und Inhaftiertem.

In der Praxis praktizieren wir dementsprechend die Atembetrachtung in einem aufrecht sitzenden Zustand der Wirbelsäule. Wir nehmen Kontakt mit dem Atem auf, ohne diesen zu manipulieren oder zu kontrollieren. Dabei dient das Heben und Senken der Bauchdecke mit jedem Einatmen und Ausatmen als Anker der Aufmerksamkeit.

Eintrudelnde Gedanken, Gefühle, Körperempfindungen und Umgebungsreize werden wertfrei und neutral zur Kenntnis genommen und die Aufmerksamkeit wird dann sanft wieder zurück auf den Atem gelenkt. Dies bedeutet die Rückführung der Aufmerksamkeit und das Rückbesinnen auf den gegenwärtigen Moment.

Alle Erfahrungen und Wahrnehmungen während dieses Prozesses werden gleich behandelt, indem ihr Kommen und Gehen und nicht ihr jeweiliger Inhalt beachtet wird.

Die Qualität der Achtsamkeit bemisst sich nach ihrer Kontinuität (Ausdauer) und Nicht-Abgelenktheit.

Radikale Akzeptanz und Gleichmut - Akzeptieren ohne Bedingungen

Radikale Akzeptanz zielt darauf ab, sich selbst und die Umwelt vollständig zu akzeptieren, um den Kampf mit der Umwelt loszulassen. Gefühle, Gedanken, Verhaltensweisen werden ohne Einschränkung, Bewertung oder Vorurteile akzeptiert. Dies ist die Brücke zum rechten Verstehen der Innen- und Außenwelt.

 

160px-Nyanaponika_Maha_TheraEin Vertreter des Hinayana-Buddhismus, Nyanaponika, erläutert Achtsamkeit als:„das klare, unabgelenkte Beobachten dessen, was im Augenblick der jeweils gegenwärtigen Erfahrung (einer äußeren oder inneren) wirklich vor sich geht. Es ist die un-mittelbare Anschauung der eigenen körperlichen und geistigen Daseinsvorgänge, soweit sie in den Spiegel unserer Aufmerksamkeit fallen. Dieses Beobachten gilt als 'rein', weil sich der Beobachtende dem Objekt gegenüber rein aufnehmend verhält, ohne mit dem Gefühl, dem Willen oder Denken bewertend Stellung zu nehmen und ohne durch Handeln auf das Objekt einzuwirken. Es sind die 'reinen Tatsachen', die hier zu Wort kommen sollen. Wenn sich nun aber an ein anfänglich reines Registrieren dieser Tatsachen aus alter Gewohnheit doch wieder gleich Bewertungen und andere Reaktionen anschließen, so sollen dann eben diese Reaktionen selber sofort wieder zum Gegenstand Reinen Beobachtens gemacht werden.“